Gymiprüfung nicht bestanden.
Macht ein Rekurs Sinn?

19. Mar 2020 /

Sollten nach der Gymiprüfung ein knappes Resultat und der Verdacht auf eine fehlerhafte Korrektur vorliegen, kann es sich lohnen, genau hinzuschauen. Eventuelle Korrekturfehler können in einem Rekurs beanstandet werden. Wie so ein Rekursverfahren abläuft und worauf Sie achten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Einblick in die Prüfung

Ende März erhalten Sie die Resultate der Aufnahmeprüfung, die Prüfung selbst wird Ihnen jedoch nicht zugesendet. Sie dürfen aber nach vereinbartem Termin vor Ort Einblick in das Prüfungsoriginal nehmen. Die Termine finden Sie auf der offiziellen ZAP-Seite.

Dort können Sie die Prüfung fotografieren. Achten Sie darauf, dass jede Seite der Prüfung inkl. Aufgabenstellung gut lesbar abgebildet ist.

Fehlerhafte Korrekturen oder Bewertungen

Einbringen kann man nur fachliche Argumente, dazu zählen:

  • falsch addierte Punkte
  • übersehene Punkte, welche explizit in den Korrekturhinweisen vermerkt sind
  • übersehene Punkte, welche in den Korrekturhinweisen als “ähnliche Lösungen” in Betracht kommen

Aussicht auf Erfolg haben Beanstandungen in Mathematik, der Deutsch Sprachbetrachtung und bei Kurzgymi auch in Französisch.

Aufsatzbewertung und unklare Aufgabenstellungen

Die Benotung des Aufsatzes liegt in der Kompetenz der korrigierenden Lehrpersonen. Hier ist kein expliziter Widerspruch zu den Anforderungen messbar und somit eine Neubewertung über die Instanz der Bildungsdirektion aussichtslos. Es gibt in der Vergangenheit zumindest ein Fallbeispiel eines erfolgreichen Rekurses die Aufsatzbewertung betreffend, dieser lief aber über die Folgeinstanz des Verwaltungsgerichts. Dies ist ein Weg, den wir explizit nicht empfehlen.

Aus denselben Gründen ist auch eine Kritik an der Aufgabenstellung über diesen Instanzenweg ohne Erfolgsaussichten.

Persönliche Argumente werden nicht berücksichtigt

Argumente, welche mit der Situation der Schülerinnen und Schüler zu tun haben, werden in keinem Fall berücksichtigt. Dazu zählen:

  • Positive Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler
  • Krankheit
  • Stress während Prüfungssituation / schlechter Tag
  • Bilingualität oder Deutsch nicht als Muttersprache
  • ADHS

Das Rekursverfahren

Wie reiche ich einen Rekurs ein?

Im Rekurs beantragen Sie bei der Bildungsdirektion - nicht bei der Schule - eine Neubeurteilung einzelner Prüfungsabschnitte, als Begründung für diese müssen Sie Ihre konkreten Beanstandungen an der Prüfungskorrektur angeben. Erfolgsversprechende Beispiele für Beanstandungen sind z.B.:

  • “Die Addition aller Teilpunkte der Mathematik-Prüfung ergibt 24 Punkte. Im Total der Prüfung sind jedoch nur 23 Punkte vermerkt.”
  • “In der Aufgabe 4 der Mathematikprüfung ist das korrekte Resultat vorhanden, wenn auch das falsche Resultat doppelt unterstrichen ist. Laut Korrekturhinweisen müsste dies mit 2 statt 0 Punkten bewertet werden.”
  • “Unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte sehen die Korrekturhinweise eine Mathematiknote 4.5 vor, dadurch erhöht sich auch die Gesamtnote auf 4.5. Ich beantrage deshalb eine Neubeurteilung des Aufnahmeentscheids als posititv.”

Der Rekurs ist ein rechtsgültiges Dokument und beinhaltet deshalb einige wichtige formale Kriterien:

  • Briefform auf Papier
  • ausgedruckt in zweifacher Ausführung
  • rechtsgültig unterschrieben mit Ort und Datum
  • Einreichefrist: 14 Tage nach Erhalt des Aufnahmeentscheids
  • Adresse:
    Bildungsdirektion
    Generalsekretariat / Rechtsdienst
  • 8090 Zürich

Ergänzend: Wiedererwägungsgesuch

Ausschliesslich parallel zum Rekurs können Sie zusätzlich bei der Schule, an der Ihr Kind die Prüfung abgelegt hat, ein Wiedererwägungsgesuch mit den gleichen Beanstandungen einreichen. Sofern die Schule auf dieses eingeht, korrigiert sie ihre eigene Eingabe bei der Bildungsdirektion und Sie wiederum können Ihren Rekurs zurückziehen.

Was kostet ein Rekurs?

Die Kosten für einen abgelehnten Rekurs belaufen sich laut Bildungsdirektion auf 500-1500 Fr. Auf telefonische Nachfrage wurde diese Zahl unverbindlich auf ca. 600 Fr. präzisiert. Wenn Sie aufgrund der Antwort der Schule auf das Wiedererwägungsgesuch ihren Rekurs bei der Bildungsdirektion zurückziehen, können Sie diese Kosten je nach Fortschritt der Bearbeitung teilweise oder ganz vermeiden.

Was passiert, nachdem ich den Rekurs gesendet habe?

Die erstinstanzliche Entscheidung über die Prüfung liegt bei der korrigierenden Schule. Wenn Sie bei der nächsthöheren Instanz - der Bildungsdirektion - den Erstentscheid anfechten, befasst sich diese aber nicht mit der Prüfung Ihres Kindes. Stattdessen wird von der Bildungsdirektion nur geprüft, ob der Entscheid der ersten Instanz (Gymnasium) Mängel aufweist. Sofern Ihre Beanstandungen als nicht rekursrelevant gewertet werden, findet keine zusätzliche Überprüfung der Korrektur statt.

Im Zweifelsfall wird die Bildungsdirektion deshalb auch nicht die Prüfung einer Zweitkorrektur unterziehen, sondern eine Stellungnahme, beziehungsweise Nachprüfung der Erstinstanz einfordern.

Aufgrund dieses Verfahrens erhalten Sie die Bestätigung oder Neubeurteilung des erstinstanzlichen Entscheids.

Beratung durch LearningCulture

Wir helfen Ihnen in der Rekursberatung gerne dabei, die Korrektur der Aufnahmeprüfung Ihres Kindes zu analysieren und auf Wunsch in einem zweiten Schritt das Rekursschreiben aufzusetzen. Aussicht auf Erfolg hat eine Beratung nur, wo das Prüfungsergebnis knapp ausfiel.

Zu beachten ist dabei, dass fehlende Notenpunkte in der Gesamtnote sich jeweils vervielfachen, wenn sie in einer einzelnen Teilprüfung kompensiert werden müssen. So entspricht z.B. Verbesserung um 0.5 Notenpunkte in der Langgymi Matheprüfung nur 0.125 Verbesserung der Gesamtnote, da sich diese zu 50% aus Vornoten, 25% Deutsch und 25% Mathe zusammensetzt.

Prüfungsanalyse

In der Prüfungsanalyse überprüfen wir die Korrektur und Benotung der Aufnahmeprüfung Ihres Kindes, halten mögliche Beanstandungen in einem Dokument fest und schätzen die Erfolgsaussichten eines Rekurses ab. Von Ihnen brauchen wir dazu Infos zu Vornoten/Prüfungsresultat und Fotos von allen Prüfungsunterlagen inkl. Aufsatz, dem Notenschlüssel und den Korrekturhinweisen.

Kosten pauschal: 140 Fr.

Verfassen des Rekurses

Sofern Sie sich aufgrund der Prüfungsanalyse und unserer Empfehlung für einen Rekurs entscheiden, schreiben wir gerne den Rekurs und das Wiedererwägungsgesuch für Sie. Sie erhalten diese zur Ergänzung Ihrer persönlichen Angaben und Unterschrift zugestellt.

Kosten pauschal: 70 Fr.

Sehr gerne helfen wir Ihnen bei der Beurteilung der Erfolgsaussichten eines Rekurses oder auch beim Verfassen: kontakt@learningculture.ch / 044 520 81 19.

Quellen

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