So klappts mit Online-Nachhilfe in Mathe & Co.

04. Jul 2013 /

Die Nachhilfe per Internet ist in aller Munde und die Technik dafür ist vorhanden. Jeder kennt Skype aus seinem privaten Umfeld und einige Plattformen im Web bieten mittlerweile ausschliesslich Online-Nachhilfe an. In vielen Teilen Australiens ist Distance Learning an Schule und Universität längst etabliert – weil gute Bildung aufgrund grosser räumlicher Entfernungen sonst nur schwer zu erhalten wäre.

Vorteile…

Der grösste Vorteil der Online-Nachhilfe besteht zweifelsfrei im reduzierten Reiseaufwand. Weder Schüler noch Lehrer müssen Fahrzeiten auf sich nehmen und können bequem zuhause bleiben. So erhöht sich für den Schüler einerseits die Flexibilität, weil der Nachhilfe-Lehrer spontan vor Prüfung offene Fragen klären kann. Gleichzeitig haben Schülerinnen und Schüler in ländlichen Gebieten die Möglichkeit, z.B. den besten Mathematiker für die Nachhilfe zu finden.

… und Hindernisse

Dennoch gibt es einige Hindernisse auf dem Weg zu “100% Nachhilfe online”. Zunächst existieren Vorbehalte und Ängste sowohl bei Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern. Wie ist das mit einer fremden Person am Computer? Ausserdem ist die Nachhilfe per Web nicht für alle Altersstufen und jeden Schulstoff gleichgut geeignet. Online-Nachhilfe in der 2. Primarstufe? Schreiben lernen, den Satz des Pythagoras in Geometrie oder Französisch-Vokabeln pauken – wie soll das online funktioniert? Und nicht zuletzt sind die Schulunterlagen – als Grundlage der Nachhilfe – in der Regel immer noch in Papierform. Wie sieht der Nachhilfelehrer was durch den Klassenlehrer im Heft markiert wurde?

Nachfolgend haben wir die wichtigsten Voraussetzungen und besten Tipps, mit denen sich die Hindernisse beseitigen lassen oder mit denen sie zumindest reduziert werden.

In welchem Alter beginnen?

Ab welchem Alter bzw. welcher Schulstufe mit der Online-Nachhilfe begonnen werden kann, hängt davon ab, wie wohl sich die Schülerin bzw. der Schüler im Umgang mit dem Computer fühlen und inwieweit sie von den Eltern unterstützt werden.

Ohne guten Lehrer funktioniert es auch online nicht

Es ist so trivial wie wichtig: wenn der Nachhilfe-Lehrer nicht “gut” ist weil es an fachlicher, pädagogischer und didaktischer Qualität mangelt oder die “Chemie” zwischen Schüler und Lehrer nicht stimmt ändert daran auch die Kommunikation via Internet nichts. Die Qualität des Lehrers ist eine wichtige Rahmenbedingung für eine positive und damit produktive Lernatmosphäre.

Eine ruhige und geordnete Lernumgebung

Genau wie bei der Nachhilfe vor Ort ist für die Online Nachhilfe eine ruhige und geordnete Lernumgebung erforderlich. Egal ob das Telefon klingelt, der kleine Bruder spielen will oder die Whatsapp-Meldungen im Sekundentakt eintreffen: die Konzentration auf ein Thema erfordert eine ruhige Umgebung. Gleiches gilt für das Thema Ordnung: wenn aufgrund der “Zetteliwirtschaft” das Aufgabenblatt zum Dreisatz nicht gefunden werden kann, hilft auch der beste Online-Lehrer nicht weiter.

Die Hardware ist oft vorhanden

Auch wenn heute die Mehrzahl der Haushalte über DSL oder schnellere Internet-Anschlüsse verfügt, kann die Verbindungsqualität trotzdem schlecht sein. Dies kann an trägen WLAN-Verbindungen, langsamen PCs, Tablets und Smartphones und veralteten Anwendungsprogrammen liegen. Wenn die Software auf dem aktuellen Stand ist, der Computer nicht älter als 3 Jahre und über Kabel mit dem Netz verbunden ist, sind die grundlegenden Voraussetzungen für eine gute Bild- und Tonübertragung gegeben.

Damit sich Schüler und Lehrer sehen, empfehlen sich HD-Webcams, die heute standardmässig in Laptops eingebaut werden. Für eine gute Tonqualität ist bei neueren Computern immer seltener ein Headset erforderlich – um Rückkopplungen jedoch zu 100% auszuschliessen empfehlen sich dennoch ein Headset oder zumindest einfache Kopfhörer.

Sollen komplizierte Zeichnungen online erstellt werden, eignet sich ergänzend ein Grafik-Tablet. Bei LearningCulture hat sich z.B. das Bamboo Tablet bewährt.

Die richtige Software macht das Lernen einfacher

Das am meisten genutzte kostenlose Programm für die Bild- und Tonübertragung ist Skype. Neben der Übertragung von Webcam-Bild und Ton versteckt sich in der Software auch die Bildschirmübertragung (hierfür muss zunächst das Webcam-Bild deaktiviert werden). Mit der Funktion der Bildschirmübertragung kann z.B. der Schüler seinen PC-Bildschirm freigeben und der Lehrer kann online weiterhelfen. Es ist möglich, Bild und Ton einer Skype-Sitzung zum Repetieren aufzuzeichnen. Dies funktioniert unter Windows z.B. mit dem Programm Video Call Recorder.

Noch einen Schritt weiter geht die kostenlose Software Teamviewer: mit ihr kann der Lehrer den Mauszeiger des Schülers steuern und so z.B. aktiv helfen benötigte Programme zu installieren.



Sollen an mehr als zwei Orten Personen an der Nachhilfe beteiligt werden (z.B. zwei Schüler), eignet sich die Software Google Hangout. Bis zu zehn Teilnehmer können hiermit kostenlose Video-Konferenzen abhalten.

Während Skype bzw. Google Hangout die Grundlage für die Bild- und Tonübertragung sind, gibt es spezielle Anwendungen zur Unterstützung unterschiedliche Schulfächer.

Das kostenlose Online-Programm Twiddla (alternativ: Awwapp) ist eine virtuelle Tafel und eignet sich für Mathematik, aber auch sprachliche Fächer. Im Handumdrehen können online gemeinsam Zeichnungen oder Texte erstellt und gespeichert werden. Schüler und Lehrer schauen stets auf die gleiche “Tafel”. Gerade für Deutsch, Französisch oder Englisch sind die virtuellen Tafeln ideal. Aber auch Formeln lassen sich mit Twiddla sehr schnell erstellen. Wenn allerdings Berechnungen vorgenommen werden sollen, eignen sich Mathematik-Programme wie Wolfram Alpha.



Speziell für das Fach Geographie stellt neben Google Maps bzw. Earth der kostenlose “virtuelle Globus” Mapmaker von National Geograpic eine Alternative zum Schulatlas dar. Analog zum klassischen Atlas können z.B. Klima- oder Wirtschaftskarten online betrachtet werden.



Auch Schulunterlagen können virtuell geteilt werden

Oftmals bleibt das Problem, dass viele Schulunterlagen nur in Papierform vorliegen und daher nur mühsam zwischen Schüler und Nachhilfe-Lehrer geteilt werden können. Einfacher als Unterlagen zu Scannen ist das Fotografieren mit dem Smartphone oder Tablet-PC. Noch bequemer – und für jüngere Schüler einfacher – sind sogenannte Dokumentenkameras.

Das sind spezielle Webcams, deren Halterung sehr flexibel eingestellt werden kann und die den Arbeitsplatz des Schülers bzw. Lehrers laufend filmen. So sehen beide exakt was auf dem Arbeitsplatz des anderen stattfindet. Besonders praktisch ist dies für Geometrie (z.B. Arbeit mit dem Zirkel, Lineal, Geodreieck) oder Schreibübungen. Wir haben gute Erfahrungen mit der Ziggy HD Kamera gemacht (siehe Bild). Wie das

Bild der Dokumentenkamera aussieht, zeigen z.B. unsere Videos zur Gymi-Vorbereitung.




Sowohl als auch statt entweder oder

Anstatt sofort “ins kalte Wasser” zu springen und sich zwischen “vor Ort” und “Online” zu entscheiden, gibt es die Möglichkeitzunächst im klassischen Vor-Ort-Unterricht zu starten und den Online-Unterricht ergänzend zu nutzen. Dies hat den Vorteil, dass zwischen Schüler und Nachhilfe-Lehrer zunächst ein Vertrauensverhältnis und eine positive Lernumgebung entstehen kann. Der Online-Unterricht stellt dann eine flexible Ergänzung dar – und kann Schritt für Schritt ausgebaut werden.

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