So besteht Ihr Kind die Gymi-Probezeit

16. Jun 2017 /

Nach der bestandenen Aufnahmeprüfung steht für Schüler und Schülerinnen direkt die nächste Herausforderung vor der Tür: Die Probezeit am Gymnasium soll sicherstellen, dass nur die Jugendlichen ein Gymnasium besuchen, die belastbar genug sind und für die es der richtige Weg ist. In Zürich bestehen etwa 20% der Jugendlichen diese Probezeit nicht.

Der Selektionsdruck ist für viele emotional noch weniger reife Schülerinnen und Schüler ein grosses Problem und kann zu Überforderung führen, die sich z.B. in Schlafstörungen oder Gemütsschwankungen äussert. Eltern oder Fachpersonen müssen dann mit Rat und Tat – und vielen tröstenden Worten – zur Seite stehen.

Eine wichtige Veränderung betrifft die Notenerwartung: Natürlich waren die Schülerinnen und Schüler, die nun das Gymnasium besuchen, unter den besten der ehemaligen Klasse. Aber die Noten im Gymnasium werden in der Regel tiefer sein und die einstigen „Stars“ müssen sich damit abfinden, nun nicht mehr in jedem Fach an der Spitze der Klasse zu stehen.

Durch gute Organisation alle Fächer im Griff

Die Anzahl an Fächern, Hausaufgaben, Prüfungen und Unterlagen steigt am Gymnasium stark an. Jugendliche müssen deshalb lernen, den Überblick über die Termine und Materialien zu behalten.

Dabei hilft die einfache, klare Organisation der Lerninhalte und Lehrmaterialien mit einer übersichtlichen Terminierung. Ich empfehle, in beschrifteten, leichten Faltordnern die Blätter für die verschiedenen Fächer abzulegen und immer am Vorabend schon anhand des Stundenplans alle benötigten Materialien einzupacken. So geht nichts verloren und auch in der Hektik am frühen Morgen wird nichts vergessen. Hier können auch die Eltern unterstützen und überprüfen, ob auch wirklich alles benötigte Material in der Schultasche liegt.

In einen grossen Monatsplaner an der Wand können Jugendliche alle wichtigen Termine wie zum Beispiel Prüfungen und Ausflüge eintragen. Das gibt ihnen die nötige Übersicht und kann Drucksituationen durch „überraschende“ Prüfungen verhindern. Gegenüber dem elektronischen Kalender der Handys hat ein Wandkalender zwei Vorteile: Er ist übersichtlicher und er ist immer direkt einsehbar.

Die Lehrkräfte richtig einschätzen

Der Wechsel in ein System, in dem jedes Fach von einer anderen Lehrperson unterrichtet wird, ist anspruchsvoll. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich an einen neuen Unterrichts- und Prüfungsstil erst gewöhnen und die Lehrpersonen „lesen“ lernen. Sie müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wie Andeutungen zu verstehen sind und welche Erwartungen vorliegen.

Mein Tipp ist, für jede Lehrperson einen kleinen Steckbrief zu erstellen: Was ist dem Französischlehrer beim Vokabellernen wichtig? Was erwartet die Mathelehrerin in Bezug auf die Hausaufgaben? Wie sollen die Heftnotizen im Fach Deutsch erledigt werden?

Bei Unklarheiten lohnt es sich unbedingt, die Lehrpersonen direkt zu fragen.

Lernen in kleinen Portionen, aber ohne Handy

Durch vorausschauendes Lernen in dosierten Portionen kann man Zeitdruck und Panik vor Prüfungen vermeiden. Dabei bewährt es sich, die Lernaufträge frühzeitig in kleinen Portionen zu erledigen und nach ca. 40 Minuten Lernzeit jeweils eine kleine Pause einzulegen. Anschliessend kann man eine weitere schulische Aufgabe für ein anderes Fach in Angriff nehmen.

Am Vortag einer Prüfung stundenlang den Stoff zu pauken, ist nicht nachhaltig, aber leider häufig eine Art von Notlösung der Jugendlichen. Dabei werden zu oft aufgrund des akuten Zeitdrucks aktuelle Hausaufgaben „vergessen“, was negative Rückmeldungen der Lehrpersonen zur Folge hat und stoffliche Lücken verursacht.

Dringend sollten sich Jugendliche beim Lernen von elektronischen Geräten, vor Allem von Smartphones, fernhalten. Am besten befinden sich die Geräte auch nicht in der Hosentasche oder auf dem Schreibtisch. Ansonsten sind die Schüler und Schülerinnen ständig versucht, einen Blick darauf zu werfen und vielleicht doch noch schnell eine Nachricht zu schreiben.

Vokabelkärtchen sind ein bewährter Klassiker

Gerade den Jungs bereitet die Fülle von Vokabeln, die in den Fremdsprachen in den ersten Jahren am Gymnasium zu lernen sind, oft Schwierigkeiten. Eines der effizientesten Hilfsmittel sind beim Lernen noch immer die bekannten Vokabelkärtchen, auf denen die Jugendlichen in sauberer Handschrift Wörter und (auf der Rückseite) ihre Übersetzung notieren.

Lernen mit Vokabelkärtchen ist beim Pendeln im öffentlichen Verkehr oder auch in der Gruppe mit Kolleginnen und Kollegen leicht möglich – und kann dann sogar Spass machen. Auch hier ist die vorausschauende Planung Voraussetzung für den Erfolg. Wenn die Vokabelkärtchen gleich nach der Ankündigung einer Prüfung geschrieben werden, haben die Jugendlichen ausreichend Zeit fürs Üben. Das Gelernte vertieft sich so nachhaltig und steht nicht nur dem Kurzzeitgedächtnis zur Verfügung.

Körperliche Aktivität und konstanter Schlafrhythmus

Viel regelmässige Bewegung möglichst an der frischen Luft und ausreichend Schlaf mit gleichbleibender Bettgehzeit fördern die Leistungsfähigkeit und die Frustrationstoleranz der Jugendlichen. Diese Massnahmen klingen wenig spektakulär, helfen aber auch bei kleineren Schlafstörungen und stärken das Immunsystem.

Sport in jeder Form ist eine ideale, ausgleichende Beschäftigung, die in der Gemeinschaft der Klassenkameraden oder der Freunde im Quartier betrieben werden kann und dem starken Wunsch der Jugendlichen nach sozialem Austausch entspricht.

Also, Hausaufgaben erledigen, Vokabeln lernen – danach dann aber auch mal raus auf den Sportplatz!


Balz Müller

Pädagogischer Leiter

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